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Gegen das Vergessen – nie wieder! Für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Zum heutigen Holocaust-Gedenktag, dem 76. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz hatte das Himmel un Ääd Team in Kooperation mit FAIReinskultur, der gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung von Fairplay, Respekt und Toleranz im und durch Sport, gemeinsam mit Ursula Völkner (77) ihres Großvaters, des jüdischen Arztes Dr. Erich Deutsch an „seinem“ Stolperstein in Schildgen gedacht.

Hier ein aktuelles Interview-Video mit Frau Völkner beim H&Ä Schildgen-Talk mit Margret Grunwald-Nonte

Dr. Deutsch (1877-1944), zuletzt wohnhaft in Schildgen, Altenberger-Dom-Str. 128, wurde 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, misshandelt und ermordet.
An ihn und sein Schicksal erinnert ein „Stolperstein“ in der Parkplatzausfahrt von EDEKA-Weiden; dort, wo früher das Haus gestanden hat, in dem seine Familie wohnte.

Acht solcher Stolpersteine, eine Initiative des Künstlers Gunter Demnig, kann man in der Stadt aufspüren. Dass die Namen darauf nicht wie Erinnerungen verblassen, dafür sorgt regelmäßig Gertrud Kampmann. Mit Putzlappen und Politur reinigt die mittlerweile über 90-jährige rüstige Paffratherin in regelmäßigen Abständen die ihr bekannten Messingtafeln auf den Gehwegen von Schmutz und Witterungsspuren.

Dr. Deutsch hatte 1903 eine evangelische Frau geheiratet und war zum Christentum konvertiert. Nach Jahren ärztlicher Tätigkeit in Rudow (Berlin) und später Stadtmedizinalrat in Wanne-Eickel durfte er ab 1933 nicht mehr praktizieren. Als ihn die Gestapo aus seiner Villa holte, konnte er sich zunächst noch frei bewegen. Er zog dann zunächst nach Aachen, später nach Ründeroth ins Bergische, wo er noch in kleinem Rahmen Patienten behandelte. Auch das wurde ihm schließlich untersagt, und er kam dann mit seiner Familie nach Schildgen, wo sie vom Obstverkauf aus dem Garten und dem Sekretärinnengehalt der Tochter lebten. In Schildgen lebte die Familie in einem Haus an der Altenberger-Dom-Str. (in etwa dort, wo heute Kreissparkasse und EDEKA-Geschäft stehen).
1944 wurde er nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Nach Augenzeugenberichten wurde Dr. Deutsch am 4. Oktober 1944 auf dem Hof der Kleinen Festung so mit Stöcken und einer Eisenstange so geschlagen, dass er am darauf folgenden Tag starb.

„Wir bedanken uns sehr bei Frau Völkner für ihre Bereitschaft zu diesem sehr persönlichen Interview, in dem sie Margret Grunwald-Nonte und uns allen Einblicke in ihre schmerzhafte Familiengeschichte gibt – gegen das Vergessen; heute wichtiger denn je.“ so Achim Rieks vom H&Ä-Team. „Es sind Erinnerungen wie kurze Blitzlichter aus ihrer Kindheit, aus Zeiten des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung, in deren Folge auch ihr Großvater deportiert, misshandelt und ermordet wurde. Ihre Familiengeschichte ist so dicht und voller Erinnerungen. Manches ist verblasst, anderes noch ganz lebendig“ so Margret Grunwald-Nonte zu ihrem bewegenden Gespräch mit Ursula Völkner.

Über das tragische Schicksal ihres Großvaters und seiner Familie erfährt Frau Völkner erst im jugendlichen Alter von 16 Jahren in Auszügen. Ihre Mutter sei noch voller Angst und Sorge gewesen, hat nur wenig darüber sprechen können und sie zum Stillschweigen verpflichtet. Erst viel später als junge Erwachsene hätte sie von ihrer Mutter, die Halbjüdin war, über die Zeit des Krieges, die Verfolgung der Juden durch die Nazis und die Familiengeschichte mehr erfahren.
Seit 2015 engagiert sie sich für geflüchtete Familien und einzelne Menschen im Stadtteil Paffrath. Sie strahlt viel Energie und Lebensfreude aus – ist aber über die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen besorgt.
Ursula Völkners Mutter Ilse Edelmann engagierte sich später im Gladbacher Stadtrat für die SPD und verstarb 2010 im hohen Alter von 104 Jahren.

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