„Entsteint euch“ – der FAIRsuchen Schildgen April-Tipp

Renaturierung von Schottergärten
Unser April -Tipp beschäftigt sich mit der Problematik von Schottergärten und wie wir wieder mehr Natur zum Wohlbefinden von Mensch und Tier in unser Leben bringen können.
Zudem profitiert unser Klima von einer grünen Umgebung und damit auch wir!

Was sind die Eigenschaften von Schottergärten?
1. Pflegeleicht nur auf den ersten Blick.
Auch im Steingarten wächst auf die Dauer Unkraut durch Algen, Samen, Laubreste etc., welche sich zwischen den Steinen ablagern und keimtauglich sind. Damit sich keine Patina bildet müssen die Steine mit Herbiziden behandelt werden.
2. Schottergärten sind ökologisch wertlos.
Biologisch sind Steingärten tot, da weder Schmetterlinge, Bienen und andere  Nützlinge wie Würmer oder Käfer einen Lebensraum und somit Vögel keine Nahrung finden. In Zeiten, in denen die Artenvielfalt bedroht ist, erscheint solch ein Garten paradox. Der Boden wird durch die starke Verdichtung nahezu zerstört. Auch die Staubbelastung steigt, da durch die fehlende Begrünung der Feinstaub nicht gefiltert werden kann.
3. Regenwasser kann nicht versickern.
Besonders wenn statt Unkrautvlies Teichfolie verwendet wird, landet das wertvolle Nass im Gully statt in der Erde. Bei Starkregen kann es dadurch viel eher zu vollgelaufenen Kellern kommen,  da die Speicherfähigkeit des Bodens entfällt. Regional werden solche Gärten mindestens als teilversiegelt eingestuft, entsprechende Gebühren können fällig werden.
4. Die Umgebung heizt sich unnötig auf.
Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, für Abkühlung, besonders nachts, zu sorgen, und das geschieht am besten durch viel Natur. Steine, auch Gabionen, wirken nachts wie eine Heizung, da sie sich tagsüber stark erhitzen und diese Wärme nachts wieder  abgeben. Wer würde schon an einem heißen Sommertag nachts die Heizung aufdrehen? Auch die Verdunstung durch Pflanzen entfällt, somit fehlt Luftfeuchte, was im Sommer zu vermehrter Trockenheit führt.
5. Schottergärten sind langweilig.
Über Geschmack lässt sich streiten, doch die allermeisten Menschen erfreuen sich an Blumen, an natürlicher und dynamischer Umgebung. Erwiesenermaßen wirkt sich ein natürliches Umfeld positiv auf Wohlbefinden und Gesundheit von uns Menschen aus.

So könnte eine Renaturierung erfolgen:
Was also tun? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit unterschiedlichem Aufwand einen Schottergarten wieder in einen natürlichen Lebensraum zu verwandeln.
1. Der einfachste Schritt ist, an vielen Stellen die Steine zu entfernen und ein Loch in das Vlies  bzw. die Folie zu machen, um dann steingartentaugliche Pflanzen einzusetzen. Dazu gehören u.a. Lavendel, Enzian, Grasnelken, Blaukissen, Schleifenblume, Kuhschelle und verschiedene Kräuter wie z.B. Rosmarin.
2. Der Schotter muss nicht gleich komplett  entsorgt werden. Zu mehreren Hügeln auf-geschichtet kann er mit Steingartenbodendeckern bepflanzt werden und bietet so Raum für Eidechsen und andere Kleintiere. Ein hügeliges Beet bietet auch eine reizvolle Optik, es passiert gestalterisch etwas im Garten.
3. Die Folie wird entfernt und entsorgt. Den  verdichteten  Boden  versorgt man am bes-ten mit Kompost, der in die Erde eingearbeitet wird. Zur schonenden Bodensanierung ist auch die Saat von Gründüngung wie z.B. Buchweizen geeignet. Dieser lockert mit seinen tiefen Wurzeln die Erde und versorgt sie mit Nährstoffen.
4. Nun können pflegeleichte Pflanzen einziehen und den Vorgarten für Insekten, Vögel und Menschen wieder attraktiv machen.
Landschaftsgärtner empfehlen jenen, welche wenig Aufwand mit ihrem Vorgarten haben möchten, eher eine naturnahe Gestaltung als einen Schottergarten, der nur in der Anfangszeit ein wenig Arbeit macht, bevor dort organi-sches Material wie z.B. Samen gelandet ist.
Mit einer durchdachten und flächendeckenden Bepflanzung mit Bodendeckern,  Stauden und  Wildkräutern bleibt allem Unerwünschten kaum noch Platz zum Wachsen.
Im Lauf der Zeit wird es somit immer einfacher, einen naturnahen Garten zu pflegen als einen Schottergarten sauber zu halten.

Unser Fazit: entsteint Euch!
(zusammengestellt von Ira Linz)

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