Die Nachhaltigkeits-Info von FAIRsuchen für den Februar – O du schöner deutscher Wald

Der Wald ist ein wichtiges Ökosystem. Er filtert die Luft und produziert Sauerstoff. Oberirdisch und unterirdisch speichert der Wald Wasser und bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dem Menschen liefert er Brennholz und Bauholz, Papier und Biomasse für die Energieversorgung. Außerdem dient er ihm zur Erholung. Bäume und Wälder ziehen CO2 aus der Luft und lagern Kohlenstoff im Holz und im Waldboden ein. So entlasten sie die Atmosphäre.

Wald in Deutschland
Ursprünglich bestand 95 % der Fläche des heutigen Deutschlands aus Eichen- und Buchenmischwäldern, die sich ohne größere Eingriffe von Menschenhand ihrer Natur gemäß entwickelten. Diese natürliche Kontur hat sich im Laufe der Jahrhunderte massiv verändert. Heute beträgt die Waldfläche nur noch 31 %. Davon sind 54 % Nadelbäume, allen voran Kiefern und Fichten.

Nach der Französischen Revolution und nach dem zweiten Weltkrieg importierte man diese Baumarten aus Lappland und aus höheren Gebirgsregionen und pflanzte sie aus ökonomischen Gründen in Plantagen bei uns an, denn sie wachsen schnell und der Bedarf an Wirtschafsgütern, die aus diesem Holz hergestellt werden (Konstruktionsholz für Bauten und Möbel, Papier), ist groß. Die Forstindustrie ist der zweitwichtigste Wirtschaftszweig in Deutschland. Mit einem Jahresumsatz von ca. 170 Milliarden Euro folgt sie direkt auf die Autoindustrie.

Klimawandel
Inzwischen ist es nicht mehr zu übersehen, wie sehr sich die klimatischen Bedingungen geändert haben. Dies zeigt sich an vermehrten Stürmen und trockenen Sommern, die die Ursache für Waldbrände und für die Vermehrung von Schädlingen sind. Hier sind hauptsächlich künstliche Forste aus Fichten und Kiefern betroffen, denn der Boden, auf dem sie stehen, wurde häufig mit Maschinen verdichtet, so dass sich kaum Wurzelwerk bilden konnte. Dies bedeutet, dass die Bäume sich bei Stürmen kaum festhalten können und schnell umfallen. Ist nur eine einzige Baumart in großer Zahl vorhanden, so ist dies eine ideale Voraussetzung für die massive Vermehrung von Insekten, die an den Bäumen fressen. Im Jahr 2018 entstand beispielsweise durch Stürme und den Borkenkäfer rund 32 Millionen Kubikmeter abgestorbenes Holz.

Waldumbau
Damit der Wald den geänderten klimatischen Bedingungen besser standhalten kann, muss er umgebaut werden. Es ist noch offen, wie dies im Detail zu geschehen hat. Über einige grundlegende Maßnahmen herrscht jedoch weitgehend Einigkeit. An die Stelle des reinen
Wirtschaftswaldes aus Nadelholz soll ein naturnaher Baum-Mix mit einem hohen Laubbaum-Anteil aus heimischen Baumarten stehen wie z. B. Esskastanien, Linden, Hainbuchen und Flaumeichen. Diese Baumarten können Dürreperioden besser verkraften als Nadelbäume. Außerdem bieten sie einer Flora und Fauna Raum, die von diesem Waldtyp abhängig ist und sich wieder vermehren kann. So begegnet man dem Artensterben. Das ist wichtig, weil im Wald lebende Wildtiere (Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien) maßgeblich zur Regeneration von Waldgebieten beitragen. Außerdem sollte der Wald möglichst naturnah bewirtschaftet werden. Die Bäume sollten wieder ihr natürliches Alter erreichen dürfen und nicht aus wirtschaftlichen Gründen vorzeitig gefällt werden. Dann hätten seltene Tierarten wieder die Möglichkeit, in ihren Höhlen zu leben. Es sollte mehr Wildwuchswälder geben, die sich frei, also ohne menschliche Einwirkung, entwickeln können. Mehr Waldgebiete sollten unter einen besonderen Schutz gestellt werden.

Waldforschung
Schön und gut. Doch es werden immer mehr Menschen, die in Deutschland leben, und die Nachfrage nach den Wirtschafsgütern des Waldes ist ungebrochen hoch……
Waldumbau auf Kosten der Produktivität und der menschlichen Siedlungsfläche?

Im Zusammenhang mit dem Waldumbau gibt es noch viele ungelöste Fragen.
Und vermehrte Investitionen in die Waldforschung sind ein Eilgebot der Stunde.

Der Wald in unserer Region
Jeder Waldeigentümer (Staat, Körperschaften, Privatpersonen) ist aufgefordert, den Herausforderungen, vor die wir gestellt sind, mit verantwortungsvollen Maßnahmen zu begegnen.
In Nordrhein-Westfalen ist 63 % des Waldbesitzes in privater Hand. Privatinitiativen zur
Rettung des Waldes sind sehr wichtig – sei es von den Waldbesitzern, sei es von Verbänden und Initiativen.

(zusammengestellt von Annemarie Olpen)

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