Der Abend hat richtig Spaß gemacht – auch bei Sprudelwasser: Literarische Weinreise durch Mittel- und Südeuropa

„Schreib mal was über den Weinabend“. Ich! Von Wein keine Ahnung, ich trinke nie irgendwas mit Alkohol, und jetzt soll ich über eine Weinprobe schreiben.

Naja, „Literarisch“ ist ok, lesen kann ich. Mittel und Südeuropa – war ich schon mal. Die Bücher führen uns durch Deutschland (da lebe ich immerhin) über Österreich (war ich schon mal), Portugal (wir waren mal fünf Tage in Lissabon) und Italien (liebe ich über alle Maßen!). Und zuhören, wenn Gaby Friedel liest und erzählt, kann ich auch. Mit Genuss!

Bleibt die Sache mit dem Wein. Wie soll ich den beurteilen? Da muss ich vielleicht die Gesichter der Gäste beobachten. Verkniffene Gesichter = nicht so lecker, entspannte Gesichter = schmeckt gut. Klaus Rüsing wird zu den einzelnen Weinen etwas erzählen.
Gehen wir die ganze Sache mal gelassen an!

Nach der herzlichen Begrüßung durch Antje Rinecker stellt Klaus Rüsing auf sehr unterhaltsame und humorvolle Art und Weise seine mitgebrachten Weine vor, Gaby Friedel die Bücher, die in der entsprechenden Landschaft spielen. Auch sie unterhält uns bestens und macht neugierig, wie die Geschichten wohl zu Ende gehen.

Die Stimmung ist bestens, die Gäste genießen Wein und Literatur, es ist ein sehr unterhaltsamer Abend, wir haben viel Vergnügen und stimmen in den Dank von Antje Rinecker an die beiden Vortragenden herzlich ein.
Übrigens: Mein Sprudelwasser war ein hervorragender Jahrgang aus der allerbesten Lage! J

So, das war die Kurzfassung.
Wer mehr wissen möchte über Weine und Bücher, die vorgestellt wurden, der/die kann einfach hier weiterlesen.

Klaus Rüsing stellt seinen ersten Wein vor. Es geht ins Badische, er schenkt einen Grauburgunder aus. Grauburgunder sei der Wein für die Rheinländer: Im Rheinland werde mehr Grauburgunder getrunken als im gesamten Rest Deutschlands. Motto: „Sieht aus wie Wein, schmeckt wie Wein, könnte Wein sein!“ Es gibt einen Wein der Firma Hiss. Mich beeindruckt das witzige Etikett mit einem gemütlichen Sessel. Die anderen beeindruckt – den Gesichtern nach zu urteilen – der Wein. Alle sehen wohlzufrieden aus.

Gaby Friedel führt uns auch nach Baden, und zwar in das Hotel Bühlerhöhe an der Schwarzwaldhochstraße, das leider seit vielen Jahren geschlossen ist. Die Autorin hat es für ihre Leser wieder eröffnet und erzählt eine Geschichte aus den 1950er Jahren: Rosa Silbermann reist mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe. Sie soll Bundeskanzler Konrad Adenauer schützen. Rosa ist in den dreißiger Jahren aus Köln nach Palästina emigriert und arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher, die ihre Heimatstadt Straßburg verlassen musste und für den gesellschaftlichen Aufstieg alles geben würde. Rosa und Sophie wissen, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Beide verfolgen ihre eigenen Pläne.
Und Gaby Friedel weiß, wie sie ihr Publikum neugierig machen kann auf mehr. Sie erzählt zu den Personen und Ereignissen fast so, als wäre sie selbst dabei gewesen. Und der Schluss des Buches? Den verrät sie nicht. Selber lesen ist angesagt.

Das zweite Kapitel unserer Weinreise führt uns nach Österreich, das in den 1980 Jahren mit dem Glykol-Skandal zu Ruhm, allerdings nicht zu Ehren kam. Klaus Rüsing bricht eine Lanze für die neuen österreichischen Weine und bietet einen Welsch-Riesling vom Weingut Moser an, der allerdings mit Riesling nichts zu tun habe, eher mit einem Elbling. (Frage: Warum heißt er dann so??)  Dieser Wein darf wachsen, wie er will, wird nicht beschnitten, nicht gespritzt, im Fass weder gesüßt noch gesäuert. Also quasi ein „Faulenzer-Wein“, der eine ganz besondere Note entwickelt. Mein Fazit: Interessante Flasche. Geschmack (beurteilt anhand der Gesichter rundum: Naja, sehr speziell, „nicht unbedingt meiner“).

Das Buch zum Thema „Österreich“ ist das Buch von Thomas Santer: „Großmutters Haus“.
Malina lebt in der Großstadt, studiert und arbeitet nebenbei in einer Bücherei. Eines Tages bringt ihr der Postbote ein rätselhaftes Päckchen, prall gefüllt mit Geldscheinen. Auf einem beigefügten Kärtchen steht lapidar: »Anbei ein paar Zettel mit Nullen drauf. Deine Großmutter.« Malina kann es kaum glauben, hat sie doch die Großmutter seit Jahren für tot gehalten. Also macht sie sich auf den Weg in ihre alte Heimat, zum großmütterlichen Haus, das tief im Wald versteckt liegt. Die Großmutter, die sie dort vorfindet, ist extravagant, ausgeflippt und lebensfroh. Zum Wiedersehen bietet die alte Dame ihrer Enkelin zunächst einen Joint an. – Was ist ein gelungenes Leben? Die Begegnung mit der tot geglaubten, unkonventionellen Großmutter, die in einem verborgenen Haus mitten im Wald lebt, bringt einer jungen Frau unerwartete Erkenntnisse, die ihr Leben auf den Kopf stellen.
Auch dieses Buch stellt Gaby Friedel vor und macht uns neugierig, wie es weiter geht.

Weiter geht auf jeden Fall unsere Wein-Literatur-Reise: die nächste Etappe führt uns nach Italien, zum Weingut Lungarotti in Umbrien. Vorgestellt wird ein „Frühlingswein“ in rosé, passend zu Erdbeeren und Spargel. Ein Wein, den man lt. Klaus Rüsing morgens, mittags und abends trinken kann. (Tipp: Falls über Schildgen wegen des Corona-Virus eine Quarantäne verhängt wird: er hat einen großen Vorrat und liefert auch nach Hause J.) Beurteilung der Gesichter: lecker, süffig, schmeckt nach mehr.

Und das Buch dazu? Es geht um ein weiteres Abenteuer für den Spion des Dogen:
Wir sind im Jahr 1570. Carnevale – ganz Venedig spielt verrückt! Die Stadt ist ein einziges rauschendes Fest, eine gewaltige Orgie. Doch Davide Venier hat keine Zeit für Vergnügungen. Diebe haben den Ausnahmezustand genutzt und die Knochen des Heiligen Markus aus dem Dom entwendet – Venedigs Daseinsberechtigung! Bevor der Fall publik wird, muss Davide die Reliquie wiederbeschaffen. Schnell stellt sich heraus: Eine fremde Macht will der Serenissima schaden. Doch wer unter den vielen Feinden Venedigs ist es? Die Genueser? Die Osmanen? Etwa der Papst persönlich? … Und – wie schon gekannt: Das Ende verrät Gaby Friedel nicht!

Auf geht es nach Portugal. Mit einem Glas Rotwein mit dem schönen Namen „Fabelhaft“ zum Weingut Niepoort. „… ein Paradebeispiel für: saftig, mineralisch und kräftig aromatisch, dabei samtig und perfekt rund am Gaumen…“. Und was sagen die Gesichter? Jaa, schmeckt gut. Aber wesentlich weniger Begeisterung, als beim Rosè von vorher. Allerdings: Der Wein hat ein attraktives Etikett – speziell für den deutschen Markt: Erstmal der Name „Fabelhaft“, dann sind auf dem Etikett Bilder zu den Geschichten von Wilhelm Busch zu sehen. Sehr nett!

Und noch ein Krimi. Von Mario Lima: „Tod in Porto“. Ein Buch mit deutlich unappetitlichen Details. Das Team von Inspektor Fonseca hatte schon auf den wohlverdienten Sommerurlaub angestoßen, als plötzlich ein Mann brasilianischer Herkunft erschossen neben seinem Sportwagen aufgefunden wird. Wenig später taucht ein Video auf, das mit dem Fall in Verbindung steht: Eine Zunge und ein Paar Ohren, genagelt an eine Holztür. Die „brasilianische Methode“ mit Spitzeln umzugehen. Das Video hatte acht Empfänger. Sind weitere Morde geplant? Wie viel weiß der Arbeitgeber des Ermordeten, ein windiger Immobilienmakler? Und was hat die Tochter eines berühmten Anwalts aus Sao Paulo mit dem Ganzen zu tun? Es ist, wie schon bei den anderen Buchvorstellungen: Gaby Friedel weiß, wie es ausgeht, aber sie sagt es uns nicht.

Zum Abschluss gibt es noch ein besonderes „Leckerli“: ein Gläschen weißen Portwein, lt. Klaus Rüsing auch eine Seltenheit. Die Gäste strahlen. Scheint sehr gut zu schmecken. Hinweis Klaus Rüsing: In der Disco bekommen Sie 3 cl, im Restaurant 4 cl, aber richtig schmeckt er erst ab 6 cl. Zum Wohle!

Dorothea Sälzer

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