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Böll und Böhm in Schildgen

Was hat die Architektenfamilie Böhm mit Heinrich Bölls berühmten Roman „Billard um halb zehn“ zu tun?

Das fragten sich knapp 40 Zuhörer (die Resonanz war riesig – aber wegen Corona durften mehr leider nicht zugelassen werden) beim Vortrag von Germanistikprofessor Jürgen Nelles im Schildgener Pfarrsaal.

Zu dem Vortrag im Rahmen „Expedition Heimat 2.0“ des Gottfried Böhm Jahres 2020 anlässlich seines 100. Geburtstagstages am 23.1.2020 hatten eingeladen in Kooperation mit dem Kulturreferat des Kreises das Begegnungscafé Himmel un Ääd, die Herz Jesu Gemeinde und das Katholische Bildungswerk.

Dr. Nelles zeigte zunächst – mit zahlreichen Bildern unterlegt – absolut kundig Bölls schriftstellerischen Werdegang – beginnend mit seinen ersten kleinen Anfängen nach dem Krieg. Mit eben diesem Roman – Billard um halb zehn – schaffte Böll 1959 den internationalen Durchbruch und konnte fortan auch wirtschaftlich als freier Schriftsteller arbeiten und leben.

1917 geboren machte Böll 1937 am Kölner Apostelgymnasium sein Abitur – auf derselben Schule wie Gottfried Böhm aber ein Jahr zuvor.

Sein an diesem Abend vorgestellter Roman „Billard um halb zehn“ erzählt von der fiktiven Kölner Architektenfamilie Fähmel. Heinrich Fähmel erbaute einst die fiktive Abtei St. Anton und feiert heute – am 6.September 1958 – seinen 80. Geburtstag, an dem alle Erzählstränge des Romans kulminieren. Sohn Robert zerstörte als Sprengmeister die Abtei 1945, da er in ihr ein Sinnbild des Nazireiches sah.

„Einige Parallelen im Buch lassen an die Architektenfamilie Böhm denken“, so erläuterte es Dr. Nelles seinem aufmerksamen Publikum, „aber Bölls Intention war eine völlig andere“.
Er wollte am Beispiel der über 40 Figuren des Romans die verschiedenen Umgangsweisen mit der Nazi-Schuld aufzeigen, wobei die Fähmels fast alle sehr gut wegkommen, da sie durchaus Zivilcourage in schweren Zeiten gezeigt hatten.

Heinrich Böll, dessen Todestag am 16. Juli 2020 war, fehlt heute sehr. „Er hat eine große Lücke hinterlassen, die bis heute nicht geschlossen ist“, so fasst Dr. Nelles am Ende zusammen.

Starker Beifall zeigte, dass er sein Publikum über fast zwei Stunden zu fesseln wusste. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Der Abend hat Mut gemacht, die Romane Bölls heute erneut zu lesen“. Was kann ein Germanist mehr erreichen?

(Elmar Funken, Katholisches Bildungswerk)

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